KINDERKISTE E.V.Kindertagesstätten Heidelberg und Ilvesheim
Individuelle Betreuung für Kinder ab 12 Monaten

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Bezug zum Orientierungsplan Baden-Württemberg

Den Arbeitsauftrag ausgestalten

Der Arbeitsauftrag von Erziehern und Erzieherinnen ist von Bund und Ländern klar formuliert. Dreierlei soll es sein: Bildung, Erziehung und Betreuung. In möglichst hoher Qualität - in Zusammenarbeit mit Familie bedarfsgerecht ausgestaltet.

In einer Fortbildung zur Weiterentwicklung unserer Konzeption haben wir uns mit diesem Arbeitsauftrag auseinandergesetzt und in Worte und Bilder gefasst, was wir genau darunter verstehen. Bildung? Erziehung? Betreuung? Was ist was? Zudem gaben wir uns selbst noch einen vierten Arbeitsauftrag dazu: Spaß und Lebensfreude. Auch dafür fühlen wir uns als Erzieher/innen zuständig. Denn Kinder bringen nicht nur Lebensfreude mit in die Kita – sie haben auch ein Recht darauf viel Spaß und Lebensfreude von der Kita mit nach Hause zu nehmen. Inwiefern?

Wir bildeten vier kleine Arbeitsgruppen. Wir Teilnehmenden wussten zunächst noch nicht, welche Aufgabe wir letztendlich erhalten würden. Die Referentin lud uns lediglich dazu ein, 10 Minuten durchs Haus zu streifen und es mit all seinen Kita-­‐Merkmalen auf uns wirken zu lassen. Als wären wir pädagogisch interessierte Besuchergrüppchen. Anschließend sollten diese je einen Gegenstand mitbringen, der ihnen auf ihrem Rundgang besonders gut gefallen hatte.

Zurück im Gruppenraum lagen also vier Dinge auf dem runden Teppich in unserer Mitte:

  • Eine Trommel;
  • Ein Schlafkörbchen;
  • Eine von einem Kind bemalte Leinwand;
  • Eine Digitalkamera.
Was nun? Die Referentin überraschte uns mit dem Auftrag, je einen kleinen Vortrag mit Hilfe unseres Requisits vorzubereiten. Die vier Kleingruppen sollten je einen der vier Elemente unseres Bildungsauftrags in freier Rede ausführen. Das jeweilige Requisit würde dafür sorgen, Kreativität und Humor in die Sache zu bringen.

Es hat, zu unserer Überraschung, hervorragend geklappt! Deshalb beschlossen wir, die Ergebnisse dieser Blitzvorträge für unsere Konzeption zu nutzen. Denn auch hier ist es sinnvoll, unseren Arbeitsauftrag transparent zu machen und unser besonderes Verständnis zum Ausdruck zu bringen.
Hier also, stark verkürzt, unsere Ausführungen:


Bildung – der Fotoapparat

Ein Fotoapparat ist wie ein Fenster zur Welt. Wir wählen Dinge aus, zoomen sie näher heran, vergrößern sie, schenken ihnen besondere Aufmerksamkeit. Insofern ist eine Kamera eine gute Metapher für das, was sich in unserem Inneren bildet. Bildung ist immer ausschnittartig, bruchstückhaft. Wir lernen dort am besten, wo uns etwas fasziniert, wo wir mit unserer Aufmerksamkeit verharren wollen, wo wir darauf brennen, mehr darüber zu erfahren. Das ist bei Kindern nicht anders als bei Erwachsenen. Bevor wir eine Kamera nutzen, um bestimmte Dinge näher zu betrachten, benutzen wir die Augen selbst. Wir schließen die Augen, wenn uns etwas zu viel wird, wir reißen sie weit auf, wenn wir staunen! Die Fenster eines Hauses ermöglichen ebenfalls einen wohldosierten Blick in die Welt. Die Kinder der Kinderkiste nutzen ihn gern und wir sitzen oft am Fenster und sprechen über all das, was sich vor unseren Augen abspielt:

  • der Neckar fließt glitzernd dahin
  • das Schloss liegt stolz auf dem Berg
  • die Vögel fliegen einzeln und in Formationen
  • vielerlei Fahrzeuge sausen auf der Straße
  • die Witterung ändert sich und taucht die Dinge in jeweils anderes Licht
  • etc.
Doch der Blick in die Welt und das gemeinsame Benennen können all dieser Besonderheiten ist nur eine Facette von Bildung. Bildung ist mehr als Wissen. Bildung ist vor allem auch Erfahrungswissen aus erster Hand. Deshalb würden unsere Kinder den Fotoapparat nach kurzer Zeit nicht nur zum Durchgucken und Fotos schießen benutzen, sondern ihn am liebsten in all seine Bestandteile auseinanderlegen, um zu verstehen, wie er beschaffen ist, wie er funktioniert und was man noch alles damit machen kann. Nach Möglichkeit geben wir den Kindern Gelegenheit, solche Erfahrungen zu machen. Vielleicht nicht mit der neuen Digitalkamera, aber mit einem alten Kassettenrekorder – warum nicht!?

Mit Kameras macht man Fotos. Diese bieten die Möglichkeit, Geschehendes zu reflektieren und Zusammenhänge zu erkennen. In den Portfolios der Kinder halten wir Erlebnisse, Ereignisse und Entwicklungen fest – Fotos und Kinderwerke stützen und ergänzen unsere Schilderungen. Unsere „Sprechende Wände“ erzählen vom Tun der Kinder – Fotos aus dem Kitaalltag hängen auf Augenhöhe der Kinder und regen den Austausch untereinander und mit den Eltern an. Die Kinder erinnern und vertiefen ihre Erfahrungen, ihren Wissenszuwachs. Bildung ist für uns vor allem Selbstbildung. Handelnd, kommunizierend, betrachtend, vergleichend, experimentierend, reflektierend bilden die Kinder eine Vielfalt von Kompetenzen aus. Wir unterstützen sie gern dabei!


Erziehung – Kinderwerk auf weißer Leinwand

Ein Bild besteht aus einem „Träger“ und dem „Farbauftrag“. Als Träger fühlen wir uns für die Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder zuständig. Erziehung?

Eine weiße Leinwand gibt dem Kind Raum: hier kann es sich ausprobieren, hier kann es seine persönliche Spur hinterlassen. Nicht an der Wand – aber hier, auf dieser vorbereiteten, grundierten Fläche kann jedes Kind „Farbe bekennen“. Wir Erzieher/innen stellen entsprechendes Material und Werkzeug zur Verfügung und lassen einerseits experimentieren, andererseits erläutern wir den Umgang mit den Dingen und stellen mit den Kindern Regeln auf: Pinsel darf man jederzeit nehmen – danach müssen sie ausgewaschen werden. Papier und Leinwand ist zum Malen da – der Boden und das Mauerwerk nicht. Gemeinschaftswerke laden zur Kooperation ein – in die Bilder anderer Kinder malen wir jedoch nicht hinein. Etc.

Wir geben den Kindern viel Freiraum (Weißraum) – zeigen aber auch Grenzen auf und stecken den Rahmen (Bilderrahmen) ab, in dem die Kinder schöpferisch tätig werden können.

Erziehung heißt für uns auch, dass wir uns nicht allein dafür zuständig fühlen. Wir dübeln die Bilder der Kinder nicht in den Fluren des Kindergartens fest. Sie wandern unter Umständen mit nach Hause zu den Familien… und werden dort weiter gemalt… verändern sich… erfahren neue Bedeutung und hoffentlich Aufmerksamkeit.

Wer bei uns „aus dem Rahmen fällt“, ist besonders willkommen. Wir achten die Einzigartigkeit jeden Kindes hoch und haben viel Freude daran, die Besonderheiten der Kinder zu entdecken und zu berücksichtigen. Erziehung muss zum Kind passen. Nicht das Kind zur Erziehung.


Betreuung – die Trommel

Eine Trommel steht in erster Linie für Rhythmus. Unsere Betreuungszeiten gliedern sich in Rhythmen, die die kindlichen Bedürfnisse widerspiegeln. Aktivität, Ruhe, Stärkung, Gemeinschaft, Rückzug…

Rückzug gewähren heißt auch, dass wir die Kinder, ihrer Entwicklung entsprechend, durchaus eigene Wege gehen lassen. Sie dürfen ihren Radius erweitern, in dem Maße, in dem sie sich bereits sicher fühlen und in Rufweite bleiben. Natürlich behalten wir alle Kinder im Blick… bald trommeln wir sie wieder zusammen und singen ein Lied, schauen Bücher an, machen Fingerspiele oder begeben uns auf Abenteuertour im Freien.

Eine Trommel ist ein ziemlich lebendiges Ding. Sie muss geschützt und gepflegt werden. Mal benötigt sie ein wenig mehr Zug und manchmal ist sie, im Gegenteil, etwas überspannt. Unser Wunsch ist es, als Erzieher/innen achtsam zu sein und stets zu erkennen, wer was braucht und wie er oder sie dies zum Ausdruck bringt. Die individuellen Rhythmen der Kinder versuchen wir ebenso zu berücksichtigen, wie all die anderen Zeichen, die sie uns geben und die uns zeigen, welche Art von Betreuung für sie zurzeit unterstützend wäre.


Spaß und Lebensfreude – das Schlafkörbchen

Es ist schön zu beobachten, wie unterschiedlich sich kindliche Lebensfreude zeigt: Mal ist es genüsslicher Rückzug… zum Beispiel ins Schlafkörbchen… Mal ist es das Herausspringen aus dem selbigen… sich keck unter die Leute mischen.

Im Schlafkörbchen sieht man die Kinder ruhen, beobachten, kuscheln, trinken, Bücher anschauen, träumen. Sie entscheiden selbst, wann sie dabei und mitten im Trubel sein möchten, oder wann sie genug haben und Zeit für sich brauchen.

Wir achten und schätzen die Autonomie der Kinder. Wir erleben, wie gut es ihnen tut, in sich hineinspüren zu dürfen: Möchte ich mitmachen? Möchte ich mich ein bisschen ausklinken? Es ist dieser Spielraum, diese Erlaubnis zu pausieren, die sie so offen und neugierig bleiben lässt.

Um die Schlafkörbchen herum ergeben sich vielfältige Spielanlässe: verstecken, sich plumpsen lassen, Boot spielen… Wir lassen uns auf die Ideen der Kinder ein und freuen uns daran, dass sie Rundumbespaßung durch Erzieher/innen intuitiv ablehnen.

Blick aus der Einrichtung
Der Blick aus unserer Einrichtung in der Ziegelhäuser Landstraße.