KINDERKISTE E.V.Kindertagesstätten Heidelberg und Ilvesheim
Individuelle Betreuung für Kinder ab 12 Monaten

Leitbild

Und es gibt Hundert doch


Ein Kind
ist aus hundert gemacht.
Ein Kind
hat hundert Sprachen,
hundert Hände,
hundert Gedanken,
hundert Weisen zu denken,
zu spielen,
zu sprechen.
Hundert, immer hundert Weisen
zu hören,
zu staunen,
zu lieben.
Hundert Freuden
zum Singen,
zum Verstehen.
Hundert Welten zu entdecken,
hundert Welten zu erfinden,
hundert Welten zu träumen.
Ein Kind hat hundert Sprachen
[...]

Loris Malaguzzi, Begründer der Reggio-Pädagogik




Leitbild von Kinderkiste e.V.


„Bevor man die Welt nicht in ihrer Differenziertheit und Vielfältigkeit aufmerksam wahrgenommen hat, kann man auch keine sinnvollen Fragen an diese Welt stellen…“
(„Bildung im Elementarbereich“ – A. von der Beek, G. Schäfer, A. Steudel)






Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Kind mit all seinen Vorerfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei ist es unsere erste und wichtigste Aufgabe, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern zu schaffen. Denn erst über eine sichere Bindung können Kinder sich in Beziehung zur Welt setzen und ihre Kompetenzen entfalten. Um ihnen die notwendige emotionale Sicherheit zu geben, ist eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit zwischen den Eltern als Hauptbezugspersonen und den Erzieherinnen absolut erforderlich. Dies bildet während der gesamten Zeit ein wesentliches Fundament und spielt insbesondere am Anfang bei der Neuaufnahme eines Kindes eine entscheidende Rolle.


Da es sich bei der Eingewöhnungsphase um eine äußerst sensible Phase handelt, wird sie behutsam und individuell gestaltet. Dies bringt mit sich, dass wir zu Beginn der Betreuung gesonderte und eingeschränkte Aufenthaltszeiten mit Ihnen verabreden. Durch den Aufnahmebogen erhalten wir von Ihnen erste Informationen über Ihr Kind, z.B.: Wie und womit spielt es besonders gerne? Oder: Über welche Gruppenerfahrungen verfügt es bereits? Darüber hinaus setzen wir uns während des Tagesablaufs in den verschiedensten Situationen aktiv und aufmerksam mit den Kindern auseinander; etwa beim Ankommen, im Freispiel, beim Essen und beim Wickeln sowie bei weiteren von uns angeleiteten Beschäftigungen, im Morgenkreis oder im Hof. So erleben wir die Kinder nicht nur einzeln, sondern auch innerhalb von Kleingruppen und in der Gesamtgruppe und bringen auf diesem Wege deren Vorlieben, Interessen und Stimmungen in Erfahrung. Und ganz wichtig: Wir lernen die individuelle Ausdrucksweise und die Persönlichkeitsmerkmale des Kindes kennen.

Dieses aufmerksame Miteinander spielt am Anfang eine besonders wichtige Rolle, begleitet uns und Ihr Kind aber selbstverständlich die gesamte gemeinsame Zeit über. Ergänzend führen wir regelmäßige, gezielte und schriftlich gefasste Beobachtungen sowie Dokumentationen mit Videoaufnahmen durch. Dies ermöglicht uns, vertiefende Erkenntnisse über die Verhaltensmerkmale und Bedürfnisse der Kinder zu gewinnen. In regelmäßigen Dienstbesprechungen findet darüber ein Austausch zwischen uns Erzieherinnen statt, in denen wir Fragen diskutieren wie: „Womit beschäftigt sich das Kind derzeit und weshalb?“, „Welche Bedürfnisse hat es und wie können wir ihnen Ausdruck verleihen?“, „Wie tritt es mit seiner Umgebung in Kontakt?“ oder „Was kann es alleine und wo benötigt es Unterstützung?“ All diese Fragen haben nicht nur das Ziel, die eigene Arbeitsweise zu reflektieren, sondern auch den gemeinsamen Tagesablauf zu verbessern, die richtige Auswahl der Materialien zu finden und die Ausstattung der Räume anzupassen und natürlich die Themen herauszufinden, die die Kinder beschäftigen, um im Ergebnis die Interaktion mit und zwischen den Kindern bestmöglich zu gestalten.

Im Rahmen der Möglichkeiten unserer Einrichtung möchten wir den Kindern eine große Auswahl an Erfahrungspotential zur Verfügung stellen. Ausgangspunkt dafür ist für uns der Begriff des „kompetenten Kindes“, mit seinen gesamten Möglichkeiten, alles lernen zu können und auch zu wollen. Wir beziehen uns damit auf „die noch nicht enttäuschte Lernlust“, die Kinder zu ihren eigenen Lehrern werden lässt. Dabei kommt uns die Aufgabe zu, ihnen organisatorisch, strukturell, zeitlich und räumlich alles Notwendige und Unterstützende zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es u.a. ein pädagogisch durchdachtes Raumkonzept, das Erfahrungsräume mit bestimmten Spielbereichen vorsieht, denen sich die Kinder selbstständig zuordnen können:

– Wahrnehmungsbereich
– Bewegungsraum
– Rollenspiel- und Verkleidungsecke
– Bereich für kreatives Gestalten
– Bau- und Konstruktionsbereich
– Kuschel- und Leseecke
– Außenbereich

Diese Bereiche werden so mit Materialien ausgestattet, dass die Kinder immer einen zuordnungsfähigen Charakter innerhalb einer vorbestimmten Ordnung vorfinden, damit sie selbstständig damit umgehen und arbeiten können. Den Ausgangspunkt der Materialauswahl und Angebotsform bildet die Erkenntnis, dass Kinder in diesem Alter ganzheitlich, d.h. mit allen Sinnen und dem gesamten Körper Erfahrungen sammeln. Wir achten dabei auf Materialvielfalt (z.B. verschiedenartiges und -farbiges Papier, unterschiedliche Stift- und Kleberarten), um nach Möglichkeit jedes Kind mit dessen Interessen anzusprechen, zum Ausprobieren einzuladen und zu selbstständigen Entscheidungen zu motivieren.



Bei allen Tätigkeiten und Angeboten steht für uns der Umgang mit dem jeweiligen Medium, das „Ausprobieren“ als Prozess und der individuelle Zugang und Ausdruck im Vordergrund. Ein Ergebnis im Sinne eines benennbaren Endproduktes entspricht nicht den Entwicklungsbedürfnissen von Krippenkindern und wird der Vielfältigkeit ihrer Ausdrucksformen in keiner Weise gerecht. Im Gegenteil: „fertige“ oder vorgefertigte Objekte engen ein und suggerieren dem Kind eine Zweckgebundenheit mit dem Gefühl, selbst „noch nicht so weit“ zu sein. Aus diesen Gründen verzichten wir auch im Kindergarten auf Schablonenarbeit und legen Wert auf individuelle Ausdrucksweise und Gestaltung. Daher bitten wir um Verständnis, dass bei unserem pädagogischen Ansatz entwicklungsgemäße und nicht abgeschlossene Ergebnisse (z.B. der gebastelte Schmetterling oder Ähnliches) mit nach Hause gebracht werden.





Durch den einfühlsamen Umgang mit den Kindern in einer wertschätzenden Umgebung wollen wir deren angeborene Lernstrategien wie Nachahmen, Wiederholen und Variieren zur Entfaltung bringen und ihnen den Rahmen schaffen, sich ausführlich und intensiv mit Materialien und Themen auseinanderzusetzen, und zwar Themen, die nach den aktuellen Interessen der Kinder oder nach dem Jahresrhythmus ausgewählt werden und die Kinder mehrere Tage, Wochen oder Monate begleiten können. Dabei ist uns wichtig, dass die Kinder innerhalb eines Themas ihre Lernerfahrungen sowie die Erlebnistiefe selbst bestimmen. Dies bringt zwangsläufig mit sich, dass nicht unbedingt alle Kinder an allen Angeboten zu einem bestimmten Thema teilnehmen, um den Interessen und dem jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder gerecht zu werden.


In den ersten sechs Lebensjahren bilden sich Kinder nahezu ausschließlich durch eigene Erfahrungen, also durch das, was sie tun und erleben. Dabei eignen sie sich ihre Umwelt durch sogenannte Selbstbildungspotentiale, wie z.B. Neugierde und Bewegungslust, aktiv an. Erst mit zunehmendem Alter können die Kinder auch abstrahierend Zusammenhänge verstehen und lernen. Es ist jedoch erwiesen, dass in jedem Alter das eigene Erleben und die Nachvollziehbarkeit das Lernen unterstützt und die Inhalte verfestigt. In dieser elementaren Entwicklungsphase legen wir die Betonung auf das gemeinsame Lernen im Miteinander. Bildungsprozesse vollziehen sich nicht im Alleingang, sondern leben vom Dialog, vom sozialen Miteinander und nähren sich vom gemeinsamen Handeln, Spielen, Produzieren und Denken. Damit werden wir Erwachsene zu wichtigen „Ko-Konstrukteuren“, die selbst an den Bildungsprozessen der Kinder (und unseren eigenen) beteiligt sind.

„Alle Kinder werden allein geboren, aber stets miteinander groß.“
(Ernst Bloch)

Um unsere Arbeit mit den Kindern für Sie transparent zu machen, ist es uns ein wichtiges Anliegen, Sie über unsere Aktivitäten zu informieren. Dafür gibt es in der Kinderkiste einen festen Platz, an dem wir mit Fotos und Bildern die verschiedenen Tätigkeiten dokumentieren. Zusätzlich präsentieren wir die Objekte und Bilder der Kinder in der Regel im Flur. Wir geben Ihnen dazu jederzeit gerne Auskunft. Die Fotos und Werke Ihrer Kinder sowie die persönlichen Lerngeschichten werden jeweils in einem eigenen Ordner gesammelt, den die Kinder am Ende der Krippen- und Kindergartenzeit mitnehmen.



Quellenangabe:
„Bildung im Elementarbereich“ – A. von der Beek, G. Schäfer, A. Steudel; Verlag das Netz

„Vom Säugling zum Schulkind – Entwicklungspsychologische Grundlagen“ – G. Haug-Schnabel, J. Bensel; Kindergarten Heute Spezial

„Forscher, Künstler, Konstrukteure“ – H.-J. Laewen, B. Andres; Beltz Verlag

Unterlagen pädagogische Ideenwerkstatt Bagage, Freiburg – www.bagage.de